Toller Artikel in der Backnanger Kreiszeitung: Täglicher Kampf zurück ins Leben


Heute erschien nun der ausführliche Artikel in der BKZ: Ich finde, er ist sehr schön geschrieben und freue mich unheimlich über diese Art der Unterstützung:

Von Matthias Nothstein

BKZ-Leser helfen: Michael Much war nach Badeunfall vom Hals abwärts gelähmt – Vierfacher Familienvater gibt sich nicht auf

„Ich werde nie aufgeben, das bin ich meiner Frau und meinen vier Kindern schuldig.“ Dies sagt Michael Much. Der 40-Jährige ist nach einem Unfall im Backnanger Freibad vom vierten Halswirbel abwärts gelähmt – noch. Weil nämlich das Rückenmark bei dem tragischen Unfall nicht durchtrennt, sondern „lediglich gequetscht“ wurde, besteht Hoffnung auf Besserung. Und dafür kämpft der Facharbeiter mit drei bis fünf Stunden Training täglich.

BACKNANG/AUENWALD. Der 15. September war im vergangenen Jahr einer der letzten schönen Spätsommertage. Das Backnanger Freibad hatte in den Tagen zuvor wegen des herrlichen Wetters die Schließung sogar um eine Woche verschoben. Dies wollte Michael Much mit seinen beiden jüngsten Söhnen und der Frau nochmals ausnutzen und sich im Freibad vergnügen. Während der sportliche Vater seine Bahnen zog, hatten die drei- und fünfjährigen Buben unter den Augen von Mutter Tina ihren Spaß im Nichtschwimmerbereich. Und als der 39-Jährige nach 1000 Metern endlich aus dem Wasser kletterte, sollte eine Rutschpartie auf der kleinen wellenförmigen Rutsche den Abschluss eines gelungenen Tages bilden.

Doch es kam ganz anders. Der 111 Kilo schwere Mann schlug nach dem Eintauchen ins ein Meter tiefe Wasser unglücklich mit dem Kopf auf dem Beckenboden auf. Als er benommen und blutend bäuchlings im Wasser trieb, sprang seine Frau ins Wasser und zog ihn an den Beckenrand. Minuten später befand sich der Verunglückte im Rettungshubschrauber auf dem Weg ins Ludwigsburger Klinikum, wo er zwölf Tage lang auf der Intensivstation versorgt und dann in die orthopädische Klinik nach Markgröningen verlegt wurde. Die Diagnose war brutal: Der vierte und fünfte Halswirbel waren verschoben, die Bandscheibe dazwischen war geplatzt und das Rückenmark extrem gequetscht.

Nach einigen Wochen auf der Intensivstation wurde Much in Markgröningen auf die Normalstation verlegt. Die Ärzte machten ihm zu dieser Zeit keine Hoffnung und zeigten sich bei der Formulierung der Zukunftsperspektiven auch nicht immer sehr feinfühlig. An die ersten drei Wochen nach dem Unfall kann sich Much fast gar nicht erinnern. „Ich habe nur registriert, dass ich den linken Arm nicht und den rechten Arm nur ganz leicht bewegen konnte, von der Brust ab abwärts habe ich gar nichts gespürt.“

Dann kam der 28. November. Much erinnert sich noch ganz genau, dass er an diesem Tag nach zweieinhalb Monaten ohne Veränderungen erstmals ein Gefühl im rechten Zeigefinger verspürte, „davor war alles taub und tot und ich psychisch sehr angekratzt“. Die zurückkommenden Nervenbahnen waren zwar eine freudige Nachricht, aber das Gefühl an sich ist sehr unangenehm, „als habe man sich den Ellenbogen angestoßen, und das am ganzen Körper und von früh bis spät“.

Die nächste Station war von Januar an das Rehabilitationszentrum Bad Wildbad, bevor es am 9. Mai wieder in die Wohnung ins heimische Lippoldsweiler zurückging. Der Vermieter hatte sofort nach dem Unfall zugesichert, dass Umbauten an der Wohnung vorgenommen werden können. So wurde etwa das Bad barrierefrei gestaltet. Auch im Schlafzimmer waren Arbeiten vonnöten. Was sich nicht ändern ließ, waren die acht Stufen bis zur Haustür und der Fakt, dass die Wohnung im ersten Stock liegt. Ein Umzug kam für Much dennoch nicht infrage. „Wir fühlen uns wohl hier und es wäre auch nicht leicht, eine Wohnung zu finden für eine Familie mit vier Kindern.“

Seit es etwas besser geht, kämpft Much wie ein Löwe gegen die Lähmung. Zweimal pro Woche kommt eine Ergotherapeutin, ebenfalls zweimal eine Physiotherapeutin. Und einmal wöchentlich lässt auch Martin Kleixner aus Unterweissach ehrenamtlich dem Gehandicapten eine Myoreflextherapie zuteilwerden. Eine Galileo-Liege, ein fahrbarer Gehbarren und Motomed-Geräte für die Arme und Beine werden in der Wohnung fleißig genutzt. Der Hauptbestandteil der Reha geht jedoch auf Muchs eigenes Engagement zurück. Drei bis fünf Stunden täglich trainiert der 40-Jährige, der heute verstärkt auf seine Ernährung achtet und sein Gewicht inzwischen auf trainierte 85 Kilogramm reduziert hat. „Ich hatte Angst, ein Couch-Potato vor dem TV zu werden. Negativbeispiele habe ich in der Reha gesehen. Aber ich habe mir gesagt, entweder es muss mich jemand herumlupfen, oder ich muss mit meinem Gewicht selbst klarkommen.“ Ehefrau Tina schimpft zuweilen sogar über den Trainingseifer, „sie sagt, ich soll auch einmal einen Tag Pause machen, aber das kann ich nicht“. Much war als Gesunder schon zäh und sportlich. Er hatte alle möglichen Sportarten durchprobiert und konnte schon immer auf die Zähne beißen – Fußball, Badminton, Halbmarathon. Dazu ist Much ein aufgeschlossener und fröhlicher Mensch, der selbst heute seinen Humor nicht verloren hat. Und vor allem nicht seine Hoffnung. Viele Besucher muntern ihn auf und sagen, „das sieht schon besser aus“. Dazu sagt Much: „Das Streben nach vorne treibt mich an. Wenn es heißt, vor einem halben Jahr war es noch so oder so – das möchte ich gar nicht wissen. Ich blicke nur nach vorne.“ Inzwischen sind 90 Prozent der Bewegungen wieder machbar. Das heißt: Das Empfinden am ganzen Körper ist wieder da und alle Regionen rückmeldefähig, „aber natürlich nicht so wie früher, eher so wie beim Zahnarzt, wenn das Gefühl ganz frisch wieder zurückkommt“. Wenn es Much nun noch gelingt, die Bewegungen wieder anzusteuern, „dann steht mir die Welt wieder offen“. Die größten Probleme bereiten ihm immer noch die Finger, „das sind sehr komplexe Bewegungen“.

Die vielen alten und guten Freundschaften und Kontakte zeigen jetzt ihre segensreichen Früchte. Die Familie erhält so viel Besuch, dass Much gar nicht mehr viel aus seiner Wohnung rauskommt. „Ich habe wenig Zeit und bin auch etwas menschenscheuer geworden. Aber bei der Einschulung meines Zweitjüngsten war ich, das war mir sehr wichtig.“

Auch Muchs Ehefrau Tina ist eine große Kämpferin. Die 36-Jährige sagt: „Das Wissen, dass immer jemand da ist, wenn man ihn braucht, das hilft einem viel weiter.“ Und der Mann ergänzt: „Ich weiß es sehr zu schätzen, dass alle Leute uns unterstützen, in welcher Form auch immer.“ Besonders dankbar ist er seinem Arbeitskollegen Marten Wahl, mit dem er seit 1993 bei Daimler arbeitet. Wahl war bei vielen Hilfsaktionen die treibende Kraft, war der Anstoß zum Aufbau der Homepage www.help-much.de und sorgt mit tatkräftiger Unterstützung der Vorgesetzten und aller zuständigen Stellen dafür, dass der Industrieelektroniker auch bei seinem Arbeitgeber nicht aufgegeben wird. Inzwischen zeichnet es sich ab, dass Muchs 20-jähriges Wissen als Facharbeiter nicht verloren gehen wird. Es soll ein Homeoffice-Platz eingerichtet werden, sobald es der Genesungsfortschritt erlaubt.

Die Aktion „BKZ-Leser helfen“ möchte die Familie Much unterstützen, damit sie den Schicksalsschlag weiterhin gut wegsteckt. Im Moment besitzt die sechsköpfige Familie nur ein Auto, einen kleinen VW Polo. Ein größeres Fahrzeug, damit alle gemeinsam fahren könnten, ist ein Fernziel. Ebenso wie es ein Traum von Michael Much ist, wieder einmal Urlaub zu machen. „Aber damit warten wir, bis ich wieder laufen kann“, sagt der Kämpfer mit einem Lächeln im Gesicht.

Wer für die Aktion der Backnanger Kreiszeitung spendet, der kann seine Spende steuerlich absetzen. Bis 200 Euro akzeptiert das Finanzamt die Spende ohne besonderen Beleg, bei Beträgen darüber stellt der gemeinnützige Verein „BKZ-Leser helfen“ eine Spendenbescheinigung aus. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer das nicht will, soll dies auf der Überweisung vermerken. Allen Spendern gilt ein herzliches Dankeschön.

Und hier geht es zum Originalartikel:

http://www.bkz-online.de/node/1086211

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starke Solidarität unter Kollegen – eine große Familie hilft – Zusammenhalt der Kollegen bei Daimler – trotz großem Unglück nicht allein – Hilfe für Michael Much